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Ablenkung am Steuer

– ein unterschätztes Risiko

Bei einem Tempo von 120 km/h reicht bereits ein kurzer Blick weg von der Fahrbahn, um innerhalb weniger Sekunden in eine gefährliche Situation zu geraten. Auf Schweizer Autobahnen gehören Ablenkung und Unaufmerksamkeit zu den häufigsten Unfallursachen.

Erstmals übersteigen die Unfallkosten der abgelenkten, jene der alkoholisierten Fahrer. Das zeigen neue Forschungen der NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) aus den USA. [1]Auch hierzulande passieren gemäss den Unfallprotokollen der Polizei 34% aller schweren Unfälle auf unseren Autobahnen durch Unaufmerksamkeit und Ablenkung, noch vor unangepasster Geschwindigkeit oder Alkohol. [2] Unaufmerksamkeit und Ablenkung werden als Unfallursache oft zusammen genannt und in drei verschiedene Arten unterteilt:

  • Visuell: Der Autolenker richtet seinen Blick nicht auf die Strasse
  • Kognitiv: Der Autolenker denkt an etwas anderes und konzentriert sich nicht aufs Fahren
  • Manuell: Der Autolenker hat die Hände am Mobiltelefon und nicht am Steuer

Welche Art von Ablenkung die gefährlichste ist, darüber sind sich Experten noch uneinig. Gewisse Fachkreise sind überzeugt, dass über Bluetooth geführte Telefonate nicht im gleichen Masse ablenken wie das Verfassen oder Lesen einer SMS, bei welcher die Augen über längere Zeit nicht auf die Fahrbahn gerichtet sind. Andere wiederum argumentieren, dass beim Telefonieren zwar der Blick auf der Strasse bleibt, der Fahrer aber in einem aktiven Gespräch gedanklich viel stärker involviert und dadurch unaufmerksamer ist. Aktuelle Tests haben gezeigt, dass die Reaktion von Fahrern während des Telefonierens um mehr als 30% tiefer sinkt als beim Fahren unter Alkoholeinfluss.[1]

Mobiltelefon als Unfallursache
Das moderne Auto ist heute mit neusten Audiogeräten ausgestattet und wird deshalb gerne auch als mobiles Büro benutzt. Während langer Fahrzeiten pendente Telefonate erledigen, Besprechungen per Videokonferenz führen, Termine planen oder gar E-Mails beantworten: Solche «leere Zeiten» lassen sich je länger, je mehr effizienter nutzen. Die heutigen Technologien befriedigen zwar das Bedürfnis, zu jeder Zeit und überall erreichbar zu sein, bergen aber auch Gefahren für Fahrer sowie andere Verkehrsteilnehmer. Die Zahl der von Geschäftspersonen verursachten Unfälle durch Ablenkung liegt zwar «nur» bei 10%, doch die Tatsache, dass immer häufiger Ablenkung und nicht Alkohol zu Unfällen führt, ist sicher ein Merkmal unseres digitalen Zeitalters.

In den meisten Ländern ist der Gebrauch von Mobiltelefonen am Steuer mittlerweile untersagt. Portugal geht sogar noch einen Schritt weiter und verbietet den Fahrern nicht nur das Telefon in der Hand zu haben, sondern auch die Verwendung in Kombination mit verbundenen externen Geräten. [3] In der Schweiz generell verboten ist:

  • Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung
  • Schreiben von SMS
  • Eingabe und Suchen von Nummern
  • Eingabe ins Navi
  • das Führen von ablenkenden Gesprächen

Die Benützung des Handys steigert das Risiko eines Unfalles um fast das Fünffache, die Benützung einer Freisprechanlage um das Vierfache. Telefonieren mit der Freisprechanlage ist zwar nicht verboten, bildet aber trotzdem ein erhebliches Risiko. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Gefahr nicht von der körperlichen, sondern von der gedanklichen Ablenkung her kommt. [4]

Autofahren erfordert unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Das gleichzeitige Nutzen von elektronischen Geräten birgt erhebliche Risiken in sich und sollte darum auf das Minimum reduziert werden. Denn im Ernstfall entscheiden schon wenige unachtsame Sekunden über Leben und Tod.

[1] FleetEurope, 05-2016, S. 60 [2] bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung. SINUS-Report 2015: Sicherheitsniveau und Unfallgeschehen im Strassenverkehr 2014. Bern: bfu; 2015[3] Lenken statt ablenken, Online, 10.08.2016 [4] bfu-Faktenblatt Nr. 07, Online, 10.08.2016