Schutz für Fussgänger dank Spezialkleber

Um Fussgänger bei Unfällen mit selbstfahrenden Autos bestmöglich zu schützen, setzt Google auf eine relativ ungewöhnliche Idee. Mit einem einzigartigen Klebstoff soll der Fussgänger bei der Kollision mit einem Auto auf der Motorhaube kleben bleiben. Damit soll ein zweiter, möglicherweise noch schwererer Aufprall verhindert und die Person vor weiteren Verletzungen bewahrt werden.

Während aktuell verschiedene Autobauer versuchen, durch neueste Technologie und mit Hilfe von vielen Sensoren und Kameras sichere, autonome Fahrzeuge zu entwickeln, setzt Google zusätzlich auf eine eher unkonventionelle Ergänzungslösung: Klebstoff. Der Onlineriese hat kürzlich ein neues Patent für eine «klebende Fahrzeugfront zur Verminderung des sekundären Fussgängeraufpralls» [1] angemeldet. Bei einer Kollision zwischen Fussgänger und Autofront wird auf Motorhaube und Kotflügel eine spezielle Leimschicht freigesetzt. Das Unfallopfer bleibt daran kleben und prallt nicht auf die Fahrbahn oder in den Gegenverkehr zurück. Bei einem zweiten Zusammenstoss mit einem weiteren Fahrzeug ist die Verletzungsgefahr für das Opfer oft höher als beim primären Aufprall.

Mit dem «Google-Klebstoff» wird die gesamte Front des Fahrzeugs überzogen. Eine weitere, dünne Schicht darüber schützt das klebrige Material vor äusseren Einflüssen wie Wetter, Schmutz und sonstigen Partikeln in der Luft. Erst im Falle eines starken Aufpralls zerbricht die oberste Schutzhülle wie bei einem Ei, und die leimartige Substanz entfaltet ihre Wirkung. [2] Wie lange der Kleb-Effekt anhält, beziehungsweise wann sich das Unfallopfer von der Fahrzeugfront lösen lässt, ist aus dem Patentantrag nicht ersichtlich. [3]

Die Vision der absoluten Sicherheit im Strassenverkehr
Ablenkungen beim Fahren und stetig höheres Verkehrsaufkommen sind nur einige der Faktoren, die in den letzten Jahren zu immer mehr Unfällen geführt haben. Spätestens nach dem ersten tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto im Juli 2016 ist klar, dass auch neueste Technologien Verkehrsunfälle, zumindest vorerst, nicht vollständig vermeiden können. Tesla fordert seine Fahrer beispielsweise ausdrücklich auf, die Hände niemals vom Steuer zu nehmen. Bleiben diese zu lange fern, ertönen akustische Signale und die Geschwindigkeit wird verringert. [4]

Der neue «Google-Klebstoff» ist aber nicht der erste Versuch, die Sicherheit von Passanten im Strassenverkehr zu verbessern. Bereits vor einigen Jahren entwickelte Volvo einen sogenannten Fussgänger-Airbag, der im Notfall ein Luftkissen zwischen Motorhaube und Windschutzscheibe aufbläst. [5]

Die ständig wachsende Vielfalt an technischen Hilfsmitteln unterstützen und entlasten zwar den Autofahrer beim Fahren, entbinden ihn aber nicht von seiner Pflicht, dem Geschehen im Strassenverkehr aktiv zu folgen. Nur im Zusammenspiel mit der hundertprozentigen Reaktionsfähigkeit des Menschen können diese Hilfsmittel zu einer erhöhten Sicherheit auf der Strasse führen und Unfälle damit weitestgehend verhindern.

Quellen:

[1] Patent #: US009340178. United States Patent and Trademark Office, Online (06.09.2016).

[2] Google patent: Glue would stick pedestrian to self-driving car after collision. The Mercury News, Online (06.09.2016).

[3] Google patentiert Klebefalle für Fußgänger. TZ, Online (09.06.2016).

[4] Erster Unfalltod während Autopilot-Fahrt in Tesla. Neue Zürcher Zeitung, Online (06.09.2016)

[5] V40: Sicherster Volvo aller Zeiten. TZ, Online (06.09.2016).

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