Die Schweiz «tankt» Strom

Die Anzahl Elektroautos nimmt stetig zu, die Reichweite steigt und die Ladeinfrastruktur verbessert sich. Es kommt Bewegung in den Schweizer Markt. Private Unternehmen investieren zunehmend in neue Standorte für ein flächendeckendes öffentliches Ladenetz.

In der Schweiz standen laut e’mobile Ende 2015 etwa 1260 öffentliche Ladestationen zur Verfügung. Und es werden immer mehr. Die Waadtländer Firma Green Motion will mithilfe von Partnern wie McDonalds oder Aldi innerhalb der nächsten drei Jahre 1600 neue öffentliche Ladestationen aufstellen, und auch Tesla hat mittlerweile 34 Schnelllader installiert. Experten sind sich sicher: Ein konstanter Ausbau der Ladeinfrastruktur leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Elektromobilität. Im Gegensatz zu Deutschland oder den Niederlanden findet in der Schweiz der Aufbau von öffentlichen Ladestationen auf privater Basis statt. Einen Masterplan für die Elektromobilität als Ergänzung zur Energiestrategie 2050 erachtet der Bundesrat aus diversen Gründen als nicht notwendig. Hingegen ist die koordinierende Rolle bei der Planung einer landesweiten Ladeinfrastruktur Aufgabe des Bundes. Anfangs dieses Jahres hat das BFE im Rahmen von EnergieSchweiz und Swiss eMobility die Plattform «Ladenetz Schweiz» lanciert, um den Austausch mit Akteuren der Branche zu fördern. Ergänzend dazu sollen Workshops helfen, Lösungen zu erarbeiten, die eine rasche Entwicklung des Ladenetzes ermöglichen. [1]

Aktueller Stand der Dinge

Einer der engagierten Partner beim Ausbau des öffentlichen Ladenetzes MOVE ist das Energieunternehmen Groupe E. Aktuell umfasst das MOVE-Netz rund 130 Ladestationen in der ganzen Schweiz. 30 davon sind im laufenden Jahr dazugekommen. Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Standorte ist gemäss Stéphane Rosset, Business Development Manager bei Groupe E, dass der Fahrer oder die Fahrerin die Zeit während des Stromladens vielseitig nutzen kann. Restaurants oder Sport- und Freizeitanlagen sind daher ideale Standorte für Ladestationen. Ebenso relevant sei aber auch eine hohe Verkehrsfrequenz, damit die Stationen ohne Umwege problemlos erreichbar sind. Standorte an Verkehrsknotenpunkten bieten sich folglich besonders gut an. Für den weiteren Ausbau des Ladenetzes, erklärt Stéphane Rosset weiter, liege der Fokus auf Autobahnraststätten an der Ost-West- sowie der Nord-Süd-Achse. Ausserdem forciere Groupe E die Interoperabilität mit Deutschland und Frankreich. [2]

Inzwischen haben auch verschiedene Autohersteller begonnen, ihren Beitrag zur Entwicklung einer flächendeckenden nationalen Ladeinfrastruktur zu leisten. So zum Beispiel hat BMW in der Schweiz das in Deutschland äusserst erfolgreiche ChargeNow lanciert. Mit derzeit 13 Schnellladestationen befindet sich das Ganze zwar noch im Anfangsstadium. Doch laut Lukas Amrein von BMWi sollen künftig bei allen BMW-Händlern AC- und DC-Ladestationen zur Verfügung stehen und bis Anfang 2017 über 100 Ladestationen dem ChargeNow-Netz angeschlossen werden. BMW kooperiert dabei mit verschiedenen Ladenetzanbieter in der Schweiz um diese beim Netzausbau zu unterstützen und den ChargeNow-Kunden ein möglichst flächendeckendes Angebot zu offerieren. [3]

Was bringt die Zukunft?

Dass sich der Ausbau der Ladeinfrastruktur in der Schweiz bis 2020 massiv steigern wird, darüber sind sich die Experten einig. Stéphane Rosset äussert sich dazu mit einem smarten: «Ich schätze, bis dahin werden den «Elektromobilisten» in der Schweiz rund 10’000 Ladestationen zur Verfügung stehen. Über Zukunftspläne geben wir aber keine Auskunft – lassen Sie sich überraschen».[2] Und auch Lukas Amrein ist überzeugt: «Bis 2020 wird es möglich sein, mit Elektroautos durch Europa zu fahren, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, wo und wie weit entfernt die nächste Ladestation steht.» [3]

Quellen:
[1 ]Energia, Magazin des Bundesamts für Energie BFE, S. 6-7. September 2016. Schweizerische Eidgenossenschaft.

[2] Stéphane Rosset, Business Development Manager Groupe E (12.10.2016). Interview.
[3] Lukas Amrein, BMWi, BMW (Schweiz) AG (04.10.2016). Interview.

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