Autonome Fahrzeuge – künftig Teil des ÖV?

Vollautonome Fahrzeuge werden das Verkehrsbild in Zukunft mitgestalten, bestehende Grenzen zwischen Individualverkehr und ÖV verwischen, Nutzungsmuster ändern. In Amsterdam ist der Stadtbus der Zukunft bereits auf Kurs.

Als wäre er einem Bild aus der Zukunft entsprungen: futuristisches Design aussen, Wartezonen für kurze Strecken und ein Lounge-Bereich für längere Fahrten im Inneren. Alles selbstverständlich mit Bildschirmen ausgerüstet, die informieren oder aber unterhalten, je nach Begehren. Dank fortgeschrittener Technik und vorausschauender Fahrweise chauffiert der «Futur Bus» seine Gäste sicher, effizient ganz autonom durch die Strassen. Zusätzlich sorgen die fliessenden, gleichmässigen Fahrbewegungen für einen angenehmen und bequemen Aufenthalt an Bord. Aktuell sitzt bei jeder Fahrt ein Busfahrer hinter dem Steuer, der das Geschehen überwacht. Durch einen einfachen Tastenklick kann dieser den «City-Piloten» – so nennt sich das elektronische Steuerungssystem –aktivieren. Für ein reibungsloses Funktionieren der Technik darf er jedoch weder Gas noch Bremse bedienen und auch nicht lenken. Sobald der Busfahrer eingreift, wird seine Aktion den City-Piloten übersteuern. Noch liegt die Kontrolle des Fahrzeuges also in Menschenhand und der Fahrer kann jederzeit eingreifen und in brenzligen Situationen oder Notfällen das Kommando übernehmen. [1]

Der «City-Pilot» ist eine intelligente Vernetzung von zahlreichen Kameras und Radarsensoren, die permanent ein exaktes Bild von Fahrbahn, Umgebung und der Position des Busses aufzeichnen. Er erkennt Hindernisse und auch Fussgänger auf der Fahrbahn, ist mit den Ampelanlagen vernetzt und kann mit ihnen kommunizieren. Das Tempo wählt der elektronische Chauffeur so, dass er «grüne Wellen» bestmöglich ausnützen kann, dabei fährt er immer bis 20 cm genau in der Mitte der Strasse. Beim Anfahren einer Haltestelle findet er den optimalen Abstand zum Trottoir, damit die Fahrgäste bequem ein- und aussteigen können und gleichzeitig die Reifen nicht unnötig in Kontakt mit dem Randstein kommen. [2]

Nach erfolgten Testversuchen auf abgesperrten Strecken hat der «Futur Bus» nun seinen Dienst als offizieller Linienbus aufgenommen. Mit bis zu 70 km/h fährt der «City-Pilot» seine Passagiere auf der rund 20 km langen Strecke zwischen dem Amsterdamer Flughafen Schiphol und dem Stadtteil Haarlem. [1]

Autonome Busse auch auf Schweizer Strassen

Dank einer Ausnahmegenehmigung fahren in Sitten seit diesem Sommer zwei autonome Shuttlebusse im Testbetrieb. Mit insgesamt elf Plätzen für Fahrgäste verkehren die fahrerlosen Postbusse derzeit mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h auf einer begrenzten Zone. Neben der technischen Funktionalität wird im Rahmen dieses Pilotprojektes bis im Herbst 2017 auch die Akzeptanz der Bevölkerung analysiert. [3]

Ob, wie bald und welche Rolle autonome Fahrzeuge in Zukunft spielen könnten, ist derzeit nicht klar voraussagbar. Wie das Beispiel in Sitten zeigt, sind gegenwärtig die Voraussetzungen für einen autonomen Transport noch mit vielen Spezialbewilligungen und einem entsprechend hohen administrativen Aufwand verbunden. An die komfortablen Sitze und die grosszügigen Fenster des «Futur Busses» könnte man sich als Fahrgast – mit oder ohne elektronischen Chauffeur – jedoch schnell gewöhnen.

Quellen:
[1] Raumfahrt für jedermann. Tages Anzeiger, Online (19.09.2016).
[2] Autonom fahrender Stadbus der Zukunft. Mercedes-Benz, Online (19.09.2016).
[3] Autonome Busse fahren auf Sittens Strassen. École polytechnique fédérale de Lausanne, Online (19.09.2016).

Bild: Mercedes Benz Futur BUS. Mercedes-Benz, Online (19.09.2016).

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