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Peer-to-peer: Privates Carsharing auf der „Vorfahrt“

Peer-to-peer: Privates Carsharing auf der „Vorfahrt“

Dem Nachbarn mal das Auto zu leihen, das gibt es nicht erst seit gestern. Neu ist allerdings die Vermittlung über Online-Apps, die dem privaten Carsharing zu einer ungeahnten Reichweite verhelfen.

 

Ein Fuhrpark an einheitlichen, gebrandeten Fahrzeugen, die an speziellen Abholstationen oder – im Fall von Freefloating Carsharing – im Geschäftsgebiet des Anbieters verteilt auf ihren nächsten Nutzer warten: Das ist das wohl das erste Bild, das viele bei dem Begriff Carsharing vor Augen haben. Denn so funktioniert das klassische Carsharing, bei dem kommerzielle Anbieter eine eigene Fahrzeugflotte zur Verfügung stellen. Doch das Auto-Teilen hat noch ein weiteres Gesicht: Dank Internet und sozialer Vernetztheit wächst der Sektor des privaten Carsharings, auch Peer-to-Peer-Carsharing (P2P-Carsharing) genannt. Hier registrieren sich private Autobesitzer auf einer Online-Plattform und hinterlegen in ihrem Profil relevante Informationen zu Fahrzeugtyp, Abwicklung der Übergabe, Kosten usw. Über die Plattform bzw. die App können sie von interessierten Automietern kontaktiert werden – das Airbnb der Autovermietung sozusagen. Und so wie der Marktplatz für Urlaubsunterkünfte die Hotelbranche aufgewirbelt hat, hat auch privates Carsharing das Potenzial, zu einem erfolgreichen Mobilitätskonzept der Zukunft zu werden.

Privates Carsharing: Ein Modell mit vielen Vorteilen

Auch wenn bei Peer-to-Peer-Carsharing der finanzielle Gewinn nicht im Vordergrund steht, profitieren doch alle Beteiligten. Für die Autobesitzer verringern sich Dank des Nebenverdienstes die Haltungskosten des Fahrzeugs – lediglich die Zuverdienstgrenze darf nicht überschritten werden. Die Fahrzeugmieter freuen sich über die günstigeren Preise. Zwar bestimmt jeder Fahrzeughalter selbst, welche Kosten er verrechnet, doch grundsätzlich liegen diese unter den Tarifen konventioneller Carsharing- und Mietauto-Anbieter. Hinzu kommen die niedrigen Einstiegshürden durch fehlende Anmeldegebühren: Meist genügt es, sich mit Namen, Ausweis und Führerscheinnummer anzumelden. Auf manchen Plattformen gilt allerdings ein bestimmtes Mindest- und Höchstalter. Auch der Fahrzeugbesitzer bzw. sein Fahrzeug muss gewisse Bedingungen, die etwa das Zulassungsdatum oder den Höchstkilometerstand betreffen, erfüllen. Der Fahrzeugbesitzer ist es aber letztendlich, der darüber entscheidet, an wen er sein Fahrzeug vermietet, nicht die Plattform.

Warum Peer-to-Peer-Carsharing so zukunftsträchtig ist

Nicht zuletzt haben auch die Plattform-Betreiber einen Nutzen: Für die technische Bereitstellung, die Vermittlung und die Zahlungsabwicklung streichen sie eine Provision ein. Häufig bieten sie außerdem eine Versicherung und Pannenhilfe an. Der große Vorteil gegenüber klassischem Carsharing ist, dass kein Fahrzeugpool angeschafft werden muss. Stattdessen rekrutiert er sich aus der großen Masse an Fahrzeugen, die sonst rund 23 Stunden pro Tag ungenutzt auf einem Parkplatz oder in der Garage stehen würden. Dank privatem Carsharing wird das „Stehzeug" wieder zum Fahrzeug, was auch der Parkplatzknappheit in urbanen Ballungsräumen entgegenwirkt. So hat letztlich auch die breitere Gesellschaft etwas davon. Und die Fahrzeughersteller, die nun fürchten müssen, weniger Produkte zu verkaufen? Die steigen nach dem kommerziellen Carsharing nun auch ins private Carsharing ein und bieten Mischformen aus beidem an. In ihrem Selbstverständnis bedeutet das einen nächsten Schritt im Wandel vom reinen Produkthersteller zum Mobilitätsdienstleister.

Privates Carsharing – nur in der Stadt erfolgsversprechend?

Nun müssen die Autonutzer nachziehen und sich von der Idee des Autos als Statussymbol und Eigentum verabschieden. Während das in anderen Ländern bereits gut angenommen wird, ist man in Deutschland und Österreich noch etwas zögerlich, sein Fahrzeug fremden Personen zu überlassen. Doch mit der jüngeren Generation, die der Sharing Economy gegenüber offener ist, kann und wird sich das in Zukunft ändern. Entscheidend dafür, ob bestehende Angebote genutzt werden, ist vor allem die kurze Distanz zu verfügbaren Fahrzeugen. Plattformen für privates Carsharing setzen sich daher vorerst meist in der Stadt durch. Dabei ist das Konzept gerade am Land interessant, wo sich meist keine gewerblichen Carsharing-Anbieter niederlassen. Wer sich nicht von einer Plattform abhängig machen will, kann auch ins selbstorganisierte, nachbarschaftliche Carsharing einsteigen. In Deutschland bietet der Verkehrsclub Deutschland (VCD) dafür einen Mustervertrag an, sodass das Auto-Teilen rechtlich abgesichert ist. Diese Form des privaten Carsharings mit fixer Carsharing-Gruppe funktioniert aber eher stark lokal begrenzt. Auch Autoteilen mit Miteigentum, also samt gemeinsamer Anschaffung und gleichberechtigter Kostenteilung ist denkbar. Hier ist dann noch mehr Vertrauen in den „Peer" gefragt – und dafür bietet die ländliche Gegend, wo „jeder jeden kennt", doch die besten Voraussetzungen.

 

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